S T R E S S P R O B L E M A T I K - ihre Bedeutung in unserer Zeit

Stress-Zeitalter
Wir leben in einem "Stress-Zeitalter". Die Arbeitsproduktivität steigt, aber das Mehr wird von immer weniger Menschen erwirtschaftet. Fast jeder zweite deutsche Arbeitnehmer gibt an, dass der Stress in den letzten Jahren zugenommen habe und er häufig unter hohem Druck arbeite.

Zeitstress, Doppelbelastung u. Sozialstress
60% der Bevölkerung in Deutschland leidet unter Stress. Als Hauptstressoren werden von über der Hälfte Zeit- und Termindruck genannt sowie zu viel Arbeit und von über einem Drittel die Doppelbelastung Haushalt/Beruf. Den sogenannten "Sozialstress", also private Probleme oder Konflikte mit Kollegen und Vorgesetzten, geben inzwischen immerhin 30% der Befragten an.

Gesundheitsgefahr Nr. 1
Die WHO hat Stress zur größten Gesundheitsgefahr des 21. Jahrhunderts erklärt.

Mehr psychische als physische Erkrankungen
Weltweit gehen inszwischen mehr Arbeitstage durch psychische als durch physische Erkrankungen verloren. In den USA ist bereits die Hälfte aller Krankentage auf Stress zurückzuführen (225 Millionen Tage). In der EU geht man von Verlustschätzungen von 5-10% des Bruttosozialproduktes durch stressbedingte Ausfälle aus.

7% der Frührentner stressbedingt
Etwa 7% der Vorruhestandsfälle gehen auf Arbeitsunfähigkeit wegen psychischer Stress-Schäden zurück.

70% stressbedingte Krankheiten
Stress ist an 70% aller heute auftretenden Krankheiten als Verursacher mit beteiligt.

Arbeitszunahme = Schlafabnahme
In den USA geben 40% der Erwachsenen an, mehr zu arbeiten und weniger zu schlafen als noch vor 5 Jahren.

Kinder wünschen stressfreiere Eltern
Besonders Frauen mit Kindern leiden unter dem Schlafentzug. Bei 3 Kindern liegt die Gesamtwochenbelastung bei 90 Stunden Arbeit pro Woche, bei den Vätern bei nur 70 Stunden. Der Hauptwunsch von 8-18jährigen Kindern besteht in weniger gestressten Eltern.

Stress heute bedeutsamer als Bewegungsmangel
Stress ist somit zu einem der höchsten Risikofaktoren unseres Kulturkreises geworden. Nach der Whitehall-Langzeitstudie über 35 Jahre ist der Risikofaktor Stress inzwischen höher einzustufen als klassische Faktoren wie Bewegungsmangel, fettes Essen und Rauchen.

Angst um Arbeitsplatz ist hoher Stressor
Ein besonderer Stressfaktor ist offenbar ein unsicheres Arbeitsverhältnis. 25% geben inzwischen in Deutschland Angst um Arbeitsplatzverlust als Stressfaktor an. Besonders bei dauerhaft unsicheren Arbeitsplätzen steigt die Zahl der Krankheiten und Depressionen bei Frauen wie Männern erheblich.

Arbeitshierarchie stresst untere Schichten
Laut Whitehall-Studie II über 25 Jahre sind besonders die in der Arbeitshierarchie ganz unten angesiedelten Arbeiter bzw. Absteiger im sozialen System betroffen, die wenig Kontrolle und selbstbestimmte Handlungsräume vorfinden. Manager und Selbständige mit hoher Selbstbestimmung bei ihren Arbeitsabläufen schnitten deutlich besser ab.

Helferberufe brennen früh aus
Besonders Menschen in Helferberufen sind vom Dauerstress, das heißt vom Ausbrennen bedroht. Bei den Lehrern liegt die Ausbrennrate bereits bundesweit schon bei 30%, wobei ein weiteres Drittel bereits unter größeren gesundheitlichen Risiken arbeitet. Nur etwa 15% der bundesdeutschen Lehrer kann man als gesund bezeichnen.

Ärzte, Krankenpfleger, Lehrer, Polizisten besonders gefährdet
Aber auch Polizisten und Ärzte sowie Krankenpfleger sind vom Dauerstress betroffen. In Schweden hat sich in nur 3 Jahren die Zahl der Langzeitkrank- schreibungen wegen Ausgebranntseins im Pfleger- und Ärztebereich bereits verdoppelt. Dabei sind gerade die Engagierten besonders gefährdet. Neben Überforderung und Verantwortungsdruck führte vor allem fehlende berufliche Anerkennung schließlich zum Zusammenbruch.

Notwendigkeit beruflicher Anerkennung
Neben Arbeitsplatzunsicherheit führen blockierte Aufstiegschancen und Gratifikationskrisen besonders häufig zu Burn-out-Zuständen und Depressionen. Das Risiko ist in dieser Gruppe sogar um das Achtfache erhöht.