Variable U N T E R R I C H T S E N T S P A N N U N G

Neben Deiner persönlichen Entlastung und Ökonomisierung solltest Du eine Rhythmisierung Deines Unterrichts von vornherein planen und generell anstreben, damit unnötige Störungen durch einseitige Überlastungen der Schüler vermieden werden. Dazu gehören selbstverständlich wechselnde Lern- und Organisationsphasen, aber genauso ritualisierte Gelegenheiten zur Spannungsabfuhr, zum Regenerieren/Entspannen, aber auch zur Aktivierung.

Der dritte Baustein: angepasste Entspannungsmaßnahmen

Unterrichten in großen Klassenverbänden und einer festen Organisationsstruktur ist heute verbreitet schwieriger geworden und stellt höhere und andersgeartete Anforderungen an den Lehrer.
In einer Mediengesellschaft mit einer Vielzahl von Reizquellen und Ablenkungen und verbreiteter Konsumhaltung zeigen viele Schüler eine reduzierte Konzentrationsfähigkeit mit Tendenzen zu überschießenden Reaktionen, aber auch zu zeitweiliger Passivität. Verstärkt werden diese Erscheinungen durch vielfach instabile Familienverhältnisse mit wechselnden Bezugspersonen und einer individualisierten und teilweise verwöhnenden Erziehung mit nur verwaschenen Werten. Vor diesem Hintergrund sind vielfältige Maßnahmen zum Aktivieren wie Entspannen (grundsätzliche Rhythmisierung) sowie veränderte Unterrichtsorganisationen und -absprachen nötig, um ein sinnvolles Unterrichten überhaupt sicherstellen zu können.

Entspannungssequenzen für Schüler

gesprochene Anweisungen und Fantasiereisen, Ruhe- und Beobachtungsspiele zur Konzentrationssammlung und Wahrnehmungslenkung, Massagen untereinander, freie Entspannungszeiten mit Angebotstisch zur Entspannung (Mandalas, Reiseprospekte, Entspannungsmusik, stille Konzentrationsspiele, Tagebuch, Kneten oder Häkeln)

Stressabbau

aktive Bewegungssequenzen, Möglichkeiten von ablenkenden Beschäftigungen, Aussprachemöglichkeiten, Aufsuchen von Ruhezonen

Aktivierungsübungen

Rätselaufgaben, Bewegungssequenzen (Tanz, Reime, Aerobic), andere Sinnesebene, andere Sozialform

Regelmäßiges Konzentrationstraining

Sortieren der Unterrichtsmaterialien, Brain-Gym, Konzentrationsspiele

Dezentralisierte und differenzierte Unterrichtsangebote mit Wahl- und Bewegungsmöglichkeiten

Freiarbeit, Angebotstische, Wahlthemen, Schülerorganisation, Gruppenarbeit

Regelmäßiges soziales Verhaltenstraining

Anregung zum Loben und Wertschätzen untereinander, Training des aktiven Zuhörens und Spiegelns, allgemeine Grundlagen zur Streitschlichtung, Ausbildung von Schülerstreitschlichtern, Vertrauensübungen, regelmäßige Gesprächsmöglichkeit (Morgenkreis), Beteiligung an Festlegung der Gruppenregeln sowie Sanktionen und Belohnungen

Ein kleiner Übungskatalog

Möglichkeiten der Spannungsabfuhr

Tigeratmung

Mit einem Zischlaut wird gemeinsam mit Heben der Arme eingeatmet, mit gekrallten Fingern 3x auf krrr... ausgeatmet, nach dem 4. Einatmen wird die Ausatmung auf uhh... beendet

"Abzappeln"

In Grätschstellung wird gestampft mit einem Fuß und  gerufen: „Verdammt, verdammt...Ein kleiner Mann fühlt sich allein, er stampft und tobt vor Wut und Pein. Gemein, gemein, gemein.” Bei dem Wort gemein wird mit beiden Füßen gesprungen.

Dirigentenspiel

Ein Schüler, der den Raum kurz verläßt, soll den Bewegungen vorgebenden Dirigenten durch geneues Beobachten erraten.

Weiterhin eignen sich kurze Reime und Singspiele mit bestimmten Bewegungen, aber auch einfach ein

Schneller Lauf auf dem Hof.

Kennenlernen

Alphabetische Reihenfolge

Ohne zu sprechen, versuchen wir uns in alphabetischer Reihenfolge der Vornamen (Nachnamen) aufzustellen, falls wir uns noch nicht so gut kennen. Anschließend versuchen wir es mit der Geburtstagsreihenfolge geordnet nach den Monaten und entsprechenden Tagen.

Psychoshake

Wir gehen durch den Raum. Begegnen wir einander, reichen wir uns die Hände und dürfen jetzt entweder einmal, zweimal oder dreimal die Hand des anderen schütteln. Welche Variante wählt der andere? Finden wir Gleichgesinnte?

Ungewöhnliche Begrüßung

Wir gehen durch den Raum. Wenn wir ein Gruppenmitglied treffen, begrüßen wir es mit einer chinesischen Verbeugung, mit einer Handrunde rechts, mit den Schultern, Hüften, Rücken, untergehakt eine Runde hüpfend o.ä..

Wer ist es? Was soll ich machen?

Wir sitzen in einem Kreis. Ein Mitspieler geht in die Kreismitte mit geschlossenen Augen. Nun ruft einer aus dem Kreis seinen Namen. Wer ist es? Oder wir lassen einen Mitspieler zu dem "Blinden" gehen, den er dann erfühlen darf. Oder wir schicken einenMitspieler hinaus, beschließen über eine Tätigkeit und zeigen ihm dann alle stumm, was er machen soll.

Genaues Beobachten und Hören

Geräusche herausfinden

Wer ruft Dich? Welches Geräusch hörst Du (Zähneklappern, Schnipsen)? Welche Übung höst Du (Hampelmann, Seilspringen)? Wo läuft er (mit dem Finger blind verfolgen), wo bleibt er stehen? Welche Geräusche hörst Du in der Stille (Vogelzwitschern, eigene Atmung)?

Verändern

Während Du die Augen schließt, verändert Dein Partner eine Kleinigkeit an sich.

Pantomime

nach eigenen Ideen oder Rollenzetteln bestimmte Wörter, Figuren oder Begriff einzeln oder in Gruppen darstellen und erraten

Anschleichen

Wir stehen in einem größeren Außenstirnkreis, unsere Augen sind geschlossen. Zwei Mitspieler befinden sich sehend in diesem Kreis und versuchen, sich an einen Mitspieler des Kreises heranzuschleichen. Wenn ein Kreisspieler einen Anschleicher bemerkt, hebt er die Hand und der Anschleicher muß bei einem anderen Mitspieler versuchen, seine Hand auf dessen Schulter zu legen, ohne daß dieser es vorher spürt. Schafft er das Handauflegen, tauschen die beiden ihre Rollen.

Zeit abschätzen

Schließe die Augen und hebe die Hand, wenn eine Minute vergangen ist.

Körperorientierung / "Erspüren"

Vertrauensvolle Blindenführung

Dein Partner hilft Dir durch Handfassung /Schulterfassung (oder untergehakt) durch den Raum und über Hindernisse hinweg. Er kann Dich drehen, hinsetzen und etwas anfassen lassen.

"Marmeladenbrotgehen"

Der blinde Partner geht zeitlupenartig und mit vorsichtigem Fußaufsetzen vorwärts. Der sehende Partner legt seine flache Hand ab und zu unter die Fußfläche, die gerade aufgesetzt werden soll. In diesem Fall muß der blinde Partner eine neue Schrittwahl treffen.

Gordischer Knoten

Alle Gruppenmitglieder  (6-10 Mitspieler) fassen sich kreuz und quer an den Händen. Die Hände bleiben gefaßt und trotzdem soll der Knoten zu einem Kreis gelöst werden.

Wir treffen uns

Ihr stellt Euch zunächst sehend in relativ kurzem Abstand gegenüber. Auf ein Zeichen schließt beide die Augen und geht vorsichtig mit vorgestreckten Armen aufeinander zu. Wann berührt Ihr Euch? Vergrößert die Abstände. Orientiert Euch ggf. mit gegenseitigem Rufen. Ihr könnt auch seitwärts aufeinander zugehen und Euch mit den Schultern treffen, oder ihr probiert es rückwärts. Variiert diese Übung, indem ihr versucht, nun möglichst dicht voreinander haltzumachen.

Roboterspiel

Ihr verabredet vorher bestimmte taktile Reize, die Richtungs- und Bremsfunktion haben, z.B rechte Schulter antippen = im rechten Winkel nach rechts gehen oder: auf den Kopf tippen = stehenbleiben. Laß Dich so blind durch den Raum dirigieren.

Körperausdruck / Gestalten

Sprechende Hände

Versuche Deinem Partner nur mit Deinen Händen zu erzählen, was Du für Hobbies hast (was Du gestern unternommen hast usw.). Sprich dabei nicht! Laß Dir dann berichten, was Dein Partner verstanden hat.

Spiegelbild

Die ganz langsamen Bewegungen oder gar mimischen Veränderungen Deines Partners mußt Du spiegelbildlich und möglichst gleichartig nachahmen. Ihr könnt auch aus einer gewissen Entfernung aufeinander zugehen. Dabei mußt Du die Raumwege und Bewegungsformen Deines Partners genau nachvollziehen. Zur Vereinfachung könnt ihr das Spiel z.B. auf ein Körperteil beschränken (nur Arme und Hände).

Blindes Nachformen

Du schließt Deine Augen. Dein Partner nimmt eine bestimmte Stellung ein, formt eine Figur. Du versuchst durch blindes Abfühlen, Dich in genau derselben Haltung danebenzustellen. Wenn Du zufrieden bist, öffne Deine Augen und vergleiche!

Imaginäres Ballspiel

Ihr steht im Kreis. Ein Gruppenmitglied "bekommt" eine imaginären Ball und wirft diesen einem Mitspieler zu. Dieser spielt das Fangen, kann die Ballgröße verändern und den Ball dann zu jemand anderem werfen. Auch Seifenblasen eignen sich zum Zuwerfen.

Fensterputzer

Eure Handflächen berühren sich fast (dazwischen ist eine gedachte Glasscheibe).  Einer beginnt mit Fensterputzbewegungen, die der andere spiegelbildlich nachvollzieht.Wechsel !

Meditatives Tanzen

z. B. nach "O Menussis"

Sanfte Massagereize

Ich bin Dein Wetter

Dein Partner steht passiv und entspannt vor Dir. Du legst Deine Handflächen auf seinen Rücken (Sonnenwärme). Wind kommt auf: Du bläst ihn leicht an. Der Wind wird stärker: Du pendelst seine Arme hin und her. Es beginnt zu nieseln: Du beklopfst sanft seinen Körper. Es regnet stärker: Du klopfst kräftiger. Der Regen rinnt hinab: Du streichst über seinen Rücken und seine rückwärtigen Oberschenkel. Es regnet schwächer: Du beklopfst wieder immer schwächer werdend. Alles läuft jetzt rückwärts ab bis zum ruhigen Stand.

Gruppenmassage

Alle Mitspieler stehen im Kreis, wir blicken alle in Laufrichtung. Wir kneten zunächst bei unserem Vordermann die Schultern gut durch, klopfen dann den Rücken ab, streichen über Schultern und Rücken, machen dann kreisende Waschbewegungen und beenden die Massage mit dem "himmlischen Klopfen" mit den Fingerkuppen auf dem Kopf.

Pizzamassage

Dein Partner steht vor Dir. Du strecihst zart über seinen Rücken (mehlen), dann knetet Du den Schulterbereich (Teig kneten), rollst mit kräftigem Handflächendruck den Teig aus, bestreichst ihn mit Ketchup, mit 2 Fingern verteilst Du die Champignons, mit den Handflächen die Salami und zum Schluß steußelst Du den Käse mit Deinen Fingerspitzen über den Rücken. Nun legt ihr Eure Rücken gegeneinander und spürt die Backwärme.

Noppen- oder Tennisballmassage

Insbesondere der Rücken sollte intensiv abgerollt werden. Auch Arme, Nacken und die Beine können miteinbezogen werden. Mit Igelbällen kann auch betupft werden.

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