S C H U L M E D I A T I O N

Interner LinkFolien zur Streitschlichtung/Mediation in der Schule

Grundlagen und Chancen friedlicher Konfliktlösung ohne Verlierer.

1. Was ist Mediation? - Grundideen und Prinzipien -

Mediation ist ein Konfliktvermittlungsverfahren über neutrale Streitschlichter.

Folgende Grundideen sind bei der Mediation maßgebend:

  • Die Konfliktlösung wird nicht an übergeordnete Stellen delegiert. Die Streitenden suchen unter Führung des  allparteilichen Mediators nach selbstentwickelten Lösungsvorschlägen im Sinne eines von beiden Seiten vereinbarten Konsenses.
  • Die Kontrahenten erhalten im Mediationsverfahren eine gleichberechtigte Stellung entgegen dem üblichen Täter-Opfer-Bild in der Rechtsprechung (Sieger und Verlierer). Es geht nicht um eine Klärung der Schuldfrage. Vielmehr wird davon ausgegangen, dass beide Kontrahenten Anteile am Konflikt haben.
  • Es erfolgt eine grundsätzliche Trennung von Person und Problem. Der Konfliktpartner wird nicht als Feind betrachtet, sondern das Problem rückt in den Mittelpunkt der Verhandlung.
  • Konflikte werden als notwendiger Lern- und Entwicklungsfaktor angesehen.
  • In einem Konflikt gibt es nicht nur eine Wahrheit. Unterschiedliche Wahrnehmungen sind möglich und anzuerkennen.

2. Warum brauchen wir friedliche Konfliktlösungstechniken?

Verschiedene gesellschaftliche Entwicklungen, die sich erheblich auf das Schulleben auswirken, erfordern neue Wege der Konfliktbewältigung:

  • Wir haben es mit steigenden Disziplin-, Verhaltens- und Gewaltproblematiken zu tun, die für 80% der Lehrerschaft das Hauptproblem ihrer Arbeit darstellen.
  • Bezeichnend für unsere Gesellschaft sind zunehmende Beziehungsprobleme, emotionale Defizite und negatives Modelllernen.

Wir brauchen positiv orientierte Modelle zur Konfliktbearbeitung, die gegenseitige Anerkennung und Empathie fördern sowie eine offene und wertschätzende Kommunikationskultur entwickeln, u. a.  die Einführung der Mediation.

3. Welche Konflikte können mediiert werden, welche nicht?

Es eignen sich besonders die Konflikte der mittleren Ebene (Rangeleien, Beschimpfungen, Unterrichtsstörungen), die das soziale Gefüge bzw. den sozialen Frieden beeinträchtigen. Kriminelle Konflikte der oberen Ebene, eindeutige Regelverstöße sowie Bagatellen mit direkter Verhandlungsmöglichkeit eignen sich nicht unbedingt für die Mediation im Schulbereich.

4. Welche Vorteile bzw. Nachteile ergeben sich für den Lehrer?

Bei der Praktizierung regelmäßiger Mediation ergeben sich folgende Vorteile:

  • Neutralität schafft Distanz zu täglicher Konfliktfülle, d.h. spürbare Entlastung in der "Entscheiderrolle"
  • Delegation an Schülerstreitschlichter verhilft zu selbstverantwortlichen Klärungen und Kräfteersparnis
  • Verbesserung des sozialen Klimas durch Reduzierung von Folgekonflikten, ggf. auch der Arbeitsproduktivität.

 
Als nachteilig werden der höhere Zeitaufwand für die Konfliktverhandlung selbst, für die Ausbildung und die Betreuung angesehen. Teilweise werden auch Autoritätsverluste des Lehrers befürchtet.

5. Wie ist der Verlauf eines Mediationsverfahrens?

Bevor eine Verhandlung möglich ist, müssen die Streitenden vielfach zunächst getrennt werden. Erst nach einer Abkühlungsphase (aktiver Stressabbau) kann eine Mediation unter folgenden Voraussetzungen durchgeführt werden:

   - Vertraulichkeit, Freiwilligkeit, Anerkennung grundlegender Gesprächsregeln -

Über ein einleitendes Setting werden zu Beginn die Probleme jeder Partei definiert, um dann in die Erhellungsphase, d. h. die Aufklärung der Hintergründe des Konflikts einzusteigen. Das ist das Kernstück der Mediation. Über das angeleitete Wahrnehmen der anderen Seite wird Wandel ermöglicht. Erst dann erfolgt eine Lösungssuche und schließlich eine von beiden Seiten getragene Vereinbarung.

6. Wo gibt es bisher Mediation?

Mediation hat sich aus der Friedensforschung entwickelt und wird zunehmend in Politik, Wirtschaft, Schule, aber vor allem in Scheidungsfragen eingesetzt. Am verbreitetsten ist das Verfahren in den USA, wo bereits 30% aller Schulen Mediation durchführen. Auch im Berliner Raum gibt es an vielen Schulen Konfliktlotsen, geformt und unterstützt  besonders durch Jamie Walker, Ortrud Hagedorn, Angela Mickley.

7. Wie kann Mediation in der Schule verankert werden?

Voraussetzung für die Implementierung ist ein Konsens im Kollegium und den angegliederten Gremien. Eine Vorbereitungsgruppe sollte die speziellen Zielvorstellungen und die Einpassungsmodalitäten abklären und koordinieren. Folgende Ansatzpunkte sind möglich:

Streitschlichter-Arbeitsgemeinschaft

Interessierte Schüler bzw. die Klassensprecher trainieren Mediation unter der Leitung von erfahrenen Coachs über ca. ein halbes Jahr im Rahmen von 2 Unterrichtsstunden pro Woche.

Training und Information der Lehrerschaft

Das Kollegium wird ausführlich über das Projekt informiert, organisiert ggf. einen Fortbildungstag unter dieser Thematik. Interessierte Kollegen können an einem Mediationstraining teilnehmen.

Mediationsraum

Für eine angenehme Verhandlungsatmosphäre ist ein ruhiger und entsprechend ausgestatteter Mediationsraum erforderlich, in dem Materialien zum Stressabbau und notwendige Formulare u.ä. vorhanden sind.

Unterstützende schulische Aktivitäten

Sinnvoll sind Unterrichtseinheiten zum sozialen Lernen, die den Mediationsprozess vorbereiten und fördern, so dass auch klassenintern gearbeitet werden kann. Ein WUFF-Kurs "Interaktionsspiele" o.ä. wäre denkbar sowie Projekttage zur Gewaltprävention. Die Eltern- und Schülervertretungen können in den Gesamtprozess einbezogen werden. Problematisch ist oft die Finanzierung.

 Unser Lehrersorgen-Telefon:  030 - 40 58 44 14